Hommage an die Großmütter

Schon länger, doch gerade jetzt trage ich große Dankbarkeit und Liebe im Herzen für die Großmütter in meinem Leben, die lebenserfahrenen, weisen Frauen in meinem Kreis. Vor allem für die blutsverwandten unter ihnen, doch auch für die herzverwandten Frauen, die ich kennen, schätzen und lieben gelernt habe.

Eine besondere Aura umgibt Frauen eines gewissen Alters. Nicht alle, doch die meisten. Eine Ausstrahlung von erlebtem Wissen, von durchlebten Gefühlen, von geprägter Anmut, von zärtlichem Leuchten in einem vom Leben geformten Körper.

Ich bewundere ihren (Lebens-) Mut, ihre vom Leben geklärte Sichtweise, ihre Offenheit und die unbändige Liebe, die jede Faser ausstrahlt. Ein Glitzern in den Augen, eine Kind gebliebene Freude funkelt zu gegebener Zeit und so mancher Blick erscheint wie eine Ahnung von Ewigkeit.

Das Zusammensein mit derlei „Urgesteinen“ genieße ich in vollen Zügen. Ganz bewusst und so, als würde ich wieder als Kleinkind auf dem Schoß meiner Großmutter sitzen dürfen. Jede meiner Zellen erinnert sich an dieses Gefühl, mich vollkommen geborgen und am richtigen Platz zu wissen. Nichts konnte mir hier passieren. Die Erinnerung an den Geruch der Kittelschürze – länger schon getragen, zarte Duftreste von gezauberten Köstlichkeiten mit einer Mischung von Waschmittel, ihrer Seife und Handcreme, versetzt mich zurück zu diesem Ort. Knorrige, von der vielen Arbeit feste und starre Hände streichen über meinen Rücken und flüstern in tiefer Zärtlichkeit von Gehaltensein und schlichtem, zeitlosem Dasein. Nichts kann mir geschehen. Ich bin in Sicherheit und darf mich in absolutes Vertrauen fallen lassen. Für diese Erfahrung bin ich mein Leben lang dankbar.

Großmütter haben sowas. Sie vermitteln allein durch ihre Präsenz ein Feld von Zeitlosigkeit. Ich denke, es ist vielmehr eine Altersqualität überwiegend weiblicher Art. Denn auch bei älteren Frauen, die selbst keine Enkelkinder haben, winkt so ein Gefühl von eben dieser Tiefe im Zusammensein mit ihnen. Der Raum dehnt sich aus und macht frei. Ist es, weil sie schon vieles gesehen haben, vieles durchlebt haben und daher eine Art buddhische Gelassenheit verströmen, wenn wir jungen uns abstrampeln und rumstressen wegen (in ihren Augen) nichts? Ich sage es mal so: Wenn ich das Glück habe, in einem „Kränzchen“ von älteren Damen zu sein, überkommt mich nach einer Weile eine tiefliegende, subtile Ruhe, die mich zum Kätzchen werden lässt. Wäre ich eins, ich würde in diesem Zustand am liebsten zum Schnurren beginnen, mich auf einem Schoß gemütlich zusammenrollen und in süße Träume kraulen lassen. Ich weiß, dass es Glück ist, mich auf Erfahrungen beziehen zu können, in denen ich mich genau so fühlen durfte. Das ist sicherlich nicht selbstverständlich. Doch es sollte absolut selbstverständlich sein! Herrgott!!! Was hält uns denn sonst so tief im Leben, als dass uns ein Platz zum Ausruhen vom Rumtollen gegeben wurde, auf den wir uns zeitlebens beziehen können? Ich weiß, dass ich ein sehr heiles Bild gezeichnet habe, trotzdem ich mir den weniger lustigen Zeiten nicht weniger bewusst bin. Aber ich bin mir sicher, dass jedes Wesen eine Art „Oma“, diese großmütterliche Kraft nötig hat. Wenn es nicht die leibliche sein kann, dann ist es vielleicht die Tante Ursel von nebenan, die in aller Ruhe ein Pflaster aufs aufgeschlagene Knie klebt und einfach weiß, dass alles wieder gut wird. Heile, heile Gänschen, ist bald wieder gut…

Verletzungen heilen und eine „Oma“ ist dabei eine unbezahlbare Medizin.

Für mich sind ältere Frauen verkörperte Lebenserfahrung, die ein Feld von Selbstheilungskraft verbreiten. Ein Feld, an welches ich mich durch Resonanz anschließen oder das ich (neu) erfahren kann. Es ist ein Kollektiv, das ich schon früh erfahren durfte, das jedoch zeitlos und auch für jeden präsent ist. Einfach da. Dafür bin ich zeitlos dankbar. Jeder „Oma“ der ich in dieser Kraft begegnen durfte, die ich treffen darf.

Es liegt mir am Herzen. Denn ich bin überzeugt, dass wir diesen Halt und die Liebe aus unserer Erinnerung daran, aus Erfahrung und durch Erlernen unverzichtbar brauchen! Für uns selbst und für die Gemeinschaft!

Mehr Interessantes rund um Themen der Lebensenergie erhalten Sie mit dem kostenfreien Newsletter! Zum Newsletter anmelden!